Dr.
Franz Weiß

Schuhmacher. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1902    † 1942

 

Lebenslauf

Franz Weiß wurde am 18.4.1902 in Maria Trost / Graz geboren. Er promovierte zum Dr. phil und arbeitete als Schuhmacher. 1924 schloss er sich der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreich und dem republikanischen Schutzbund an. 1938 arbeitete er bei der Behörde beim Reichsstatthalter in Graz.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 1. 2. 1941 wurde Dr. Franz Weiß verhaftet und am 28. 7. 1942 gemeinsam mit Josef Neuhold und Karl Drews (beide hingerichtet) zum Tode verurteilt. Am 7.10.1942 erfolgte seine Hinrichtung im Landesgericht I in Wien.

Aus dem Urteil

„Der Angeklagte Weiß hat nach der inneren Tatzeit lediglich geltend gemacht, dass seine Beschäftigung mit dem Kommunismus im Wesentlichen theoretischer Natur gewesen sei und sich auf keinem Fall gegen Deutschland gerichtet habe. Dem steht aber entgegen, dass er in seinen Gesprächen mit den Mitangeklagten sowie mit den ihm nahe stehenden Arbeitern kommunistische Gedankengänge entwickelt und diese Personen damit in ihrer kommunistischen Einstellung bewusst bestärkt hat. Im übrigen hat sich der Angeklagte in seinen Schriften keineswegs auf theoretische Erörterungen beschränkt. So gipfelt der von ihm verfasste Aufsatz ’Der Molotow-Besuch‘ in dem Aufruf, zur Politik der Sowjets Vertrauen zu haben, da die ­kapitalistische Welt in der nächsten Zeit durch Selbstzerfleischung der Endkatastrophe entgegen eile.“

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

Ursprünglich Gruppe 37-46-34, am 14. 3. 1966 exhumiert in die Gruppe 40.

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Porträtbild: Willi Weinert oder Wiener Stern Verlag
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


Porträt teilen